Warum Putzen mit Duschgel so gut funktioniert

Billige Duschgels reinigen so gut wie ein Spezialputzmittel.
Billige Duschgels reinigen so gut wie ein Spezialputzmittel.

CHEMIEWUNDER. Flüssigseifen und Duschgels sind wahre Alleskönner, wenn es ums Putzen geht. Sie funktionieren besser als Seife, weil sie spezielle Chemikalien enthalten, die das Wasser enthärten und damit weniger Beläge in Waschbecken und Duschwanne hinterlassen. Das kann man sich zunutze machen, weniger für die Hautpflege, aber eben fürs Putzen.

Wir kennen das alle: Sowohl Waschbecken als auch Dusch- oder Badewanne sehen nach einer gewissen Zeit etwas unansehnlich aus. Gleiches gilt für den Spülstein in der Küche. Sobald irgendetwas Fettiges auf der Oberfläche landet (und das passiert sowohl in der Küche als auch im Badezimmer täglich), klebt rasch weiterer Schmutz daran, je härter das Leitungswasser, umso früher.

Die Konzerne der Kosmetikindustrie, die oft ebenfalls Putz- und Waschmittel herstellen, kennen das Problem und mischen daher sowohl hoch wirksame Fettlöser als auch sogenannte Komplexbildner in ihre Produkte, die das Wasser enthärten. So entstehen in Waschbecken und Badewanne weniger Beläge.

Das im Bild gezeigte Duschgel Fa magic Duft von Ingwer und Orange1 (zweites von links) erhält seine Fettlösekraft beispielsweise durch das oft in preiswerten Duschgels enthaltene synthetische Tensid →Sodium Laureth Sulfate (SLES).

SLES gilt als etwas weniger hautreizend als sein enger Verwandter →Sodium Lauryl Sulfate (SLS), ein künstliches Tensid, welches bei dermatologischen Studien oft als sogenanntes Modell-Irritans verwendet wird. Das bedeutet, dass andere Tenside danach beurteilt werden, inwieweit sie die Haut weniger irritieren, respektive angreifen als SLS.2

Dennoch verfügt auch SLES über eine beachtliche Fettlösekraft, die beim Putzen nützlich ist. So wirbt etwa die Firma Arkem Chemicals GmbH wie folgt für SLES:

SLES (CAS 68891–38‑3), ist ein anionisches oder stark emulgierendes und schäumendes (Detergenz) Waschmittel und Tensid, das unter anderem in Körperpflege- und Hygieneprodukten, Reinigungsmitteln, aber auch für den industriellen Einsatz bestimmt ist […].

SLES ist billig, effizient und effektiv und wird aufgrund seiner reinigenden, schäumenden und emulgierenden Eigenschaften häufig in Produkten (Seife, Shampoo, Badeschaum, Duschgel, Zahnpasta usw.) verwendet. Wegen seiner starken Reinigungswirkung wird SLES auch in Glasreinigern, flüssigen (Geschirr-)Reinigungsmitteln und Allzweckreinigern eingesetzt […].3

Neben einigen erdölbasierten →PEG-Derivaten, die ebenfalls als fettlösende Tenside wirken, enthält das Duschgel auch das kaum biologisch abbaubare →Tetrasodium EDTA, einen Komplexbildner, der zur Konservierung und Wasserenthärtung eingesetzt wird.

Insofern enthält Fa magic Duft von Ingwer und Orange – wie viele andere Duschgels auch, die Auswahl ist rein zufällig – alles, was es zum Putzen braucht: Es schäumt, entfettet wirksam und kann hartes Wasser und damit Kalkablagerungen bändigen.

Verwenden lässt sich ein solches Duschgel wie ein gewöhnlicher Küchen- oder Badreiniger. Es lässt sich leicht mit einem Schwamm auftragen und nach kurzer Einwirkzeit lösen sich die Beläge im Becken und auf den Armaturen. Sie lassen sich dann mühelos entfernen.

Wer von solchen Industrieprodukten auf hautpflegendere Alternativen wie kaltgerührte Seife umgestiegen ist, kann seine Duschgelreste so noch prima verwenden. Lediglich spezielle mit Ölen angereicherte Dusch- und Bademittel funktionieren etwas weniger gut.

Mit Flüssigseife klappt das übrigens oft ebenso gut, die wirksamen Inhaltsstoffe sind oft die gleichen. Wer kein Duschgel zur Hand hat, kommt dagegen mit Essig oder Zitronensäure umweltfreundlich ebenso effektiv ans Ziel.

Wer die genannten aggressiven Tenside auf der Haut gerne meiden möchte: Auskunft über enthaltene Substanzen gibt immer die obligatorische Liste der Inhaltsstoffe auf der Duschgel- oder Flüssigseifenflasche. Bei Kosmetik ist die Deklaration Pflicht, bei Putzmitteln müssen dagegen nicht alle einzelnen Inhaltsstoffe aufgelistet werden, daher ist bei ihnen oft nicht nachvollziehbar, was sie genau enthalten.

Literaturtipp:

Mehr zu den synthetischen Tensiden und ihrer Wirkung auf die Haut lesen Sie im Buch «Die Renaissance der Seife».

Quellen:

  1. Vgl. Foto der Deklaration: https://web.archive.org/web/20260208164313/https%3A%2F%2F3.bp.blogspot.com%2F-T612plnGlSw%2FVXMQ21FhelI%2FAAAAAAAAFZU%2F13WqrWdVBiM%2Fs1600%2FFa-Dusch%2525C3%2525B6l-Ingwer-Orange.jpg ↩︎
  2. Vgl. etwa Gloor et al. (2004) Zum Verlauf der Reizreaktion nach Reizung mit Natriumlaurylsulfat, Skin Res. Technol. 10(3):144–148 https://doi.org/10.1111/j.1600–0846.2004.00074.x und Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie (BG RCI): «Prüfgrundsätze», online unter https://www.bgrci.de/haut/pruefgrundsaetze, zuletzt aufgerufen am 10. August 2025. ↩︎
  3. Arkem Chemicals GmbH: «SLES (verschiedene Typen) CAS Nr. 68891–38‑3», online unter https://arkem.eu/produkt/sles-verschiedene-typen?lang=de, zuletzt aufgerufen am 13. September 2025, archiviert hier: https://web.archive.org/web/20260208164715/https%3A%2F%2Farkem.eu%2Fprodukt%2Fsles-verschiedene-typen%3Flang%3Dde. ↩︎

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